Einleitung
Einleitung
Im November 2025 erhielt ich aus dem Nachlass eines Niederländers eine Zeitschrift. Es handelte sich um die renommierte Kulturzeitschrift "Op de Hoogte", in der sich ein Beitrag mit dem Titel " Uit de leerschool van het Goetheanum" (Aus der Schule des Goetheanums) von Adelyde Content befand. Der Beitrag war von ihr auf den 4. Januar 1923 datiert und in der Februarnummer veröffentlicht.
Die Schriftstellerin hatte die Weihnachtstagung am Goetheanum Ende 1922 besucht und war in der Silvesternacht Augenzeugin des verheerenden Brandes geworden. Gegenüber der Kulturzeitschrift "Op de Hoogte" hatte sie sich verpflichtet, einen ausführlichen Bericht über den Bau des (ersten) Goetheanums zu liefern. Nach dem Brand ergänzte sie ihren Beitrag um das Kapitel "De Sylvesterbrand van het Goetheanum", um die niederländische Öffentlichkeit über das Schicksal des Goetheanums zu informieren.
Wer war Adelyde Content?
Ich erfuhr vom Goetheanum-Archiv, dass ihre Asche auf dem Goetheanum-Gedenkhain beigesetzt ist. Ein Gedenkschreiben zu ihrem Tod im Jahr 1952 war in der Bibliothek der Anthroposophischen Vereinigung in den Niederlanden jedoch nicht auffindbar[1]. Meine Nachforschungen in den Archiven der niederländischen Bevölkerung ergaben viele Hinweise. So erfuhr ich, dass sie am 17. Juli 1883 geboren wurde, nach der Grundschule das Gymnasium Erasmianum in Rotterdam besuchte, welches sie erfolgreich abschloss, und ab 1903 an der Universität Leiden Philologie studierte. Sie war mit Elisabeth Vreede befreundet. Beide erlebten 1908 einen ersten Vortrag Rudolf Steiners in den Niederlanden und wurden 1912 die ersten Mitglieder der Anthroposophischen Vereinigung der Niederlande.
Nach umfangreichen Recherchen entrollte sich allmählich das Bild einer sprachlich hochbegabten Frau, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Anthroposophie als Korrespondentin einer breiten niederländischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ihr ganzes Leben lang blieb sie dieser Aufgabe treu. Sie kannte Rudolf Steiner, und auch er wusste, wer sie war. Sie hatte alle grundlegenden Werke Steiners studiert und war davon überzeugt, dass die Anthroposophie einen neuen Kulturimpuls für die Welt bedeutete.
In den Niederlanden fand ich die Schriftstellerin Lenie Reedijk, die ein hervorragendes Buch über die Sakralstätten auf Malta herausgegeben hat[2]. Sie erzählte mir, dass sie sich vor über zwanzig Jahren intensiv mit dem Leben von Adelyde Content befasst hat. Mit einer Nichte von Adelyde Content hatte sie einige Jahre lang eine Website online: "Erinnerungen an Adelyde Content". Doch fand diese Website leider wenig Anklang und wurde in den Jahren darauf wieder vom Netz genommen.
Warum, so fragte ich mich, ist diese Schriftstellerin, die ein Leben lang Pionierarbeit für die Anthroposophie in den Niederlanden geleistet hat, im Jahr 2026 in Vergessenheit geraten?
Meine Hochachtung für ihr Lebenswerk, meine Freude über ihre tiefen Einblicke und ihre Teilhabe am Entstehen und Vertiefen der Anthroposophie veranlassen mich, an diese einzigartige Persönlichkeit, Adelyde Content, zu erinnern. Der Boden, den sie für die Anthroposophie in den Niederlanden bereitet hat, soll dankbar im Gedächtnis bewahrt bleiben.
Zu diesem Zweck habe ich in diesem Jahr eine neue niederländische Website eröffnet.
Dürnten, Oktober 2026 Hans van der Heide
[1] Nach 8 Monaten wurde zwei Artikel wiedergefunden. Ich werde noch berichten
weiter zu dem Beitrag des ersten Goetheanums 1923